Donnerstag, 3. September 2009

Everyday life

Meine ersten beiden Arbeitstage sind nun um. Morgens ab 7 beginnt hier im Traineehouse langsam das Leben. Badezimmerstau gibt es nicht, aber Stau am Bügeleisen. Alle müssen noch mal eben schnell über Hemd oder Bluse drüberbügeln bevor wir dann ganz schick aus dem Haus gehen. Nach und nach machen sich dann alle auf den Weg. Ich muss erst ein paar Minuten aus diesem Wohngebiet rauslaufen, vorbei an einem Kinderheim, einem Tempel und einem Park. An der Hauptstraße angekommen, schnapp ich mir eine Fahrradrikscha und mache dem Fahrer - inzwischen in Hindi - klar, wo ich hin will. Man sollte sich gut festhalten. Ich bin heute fast auf die Straße gefallen. :) Die Gegend hier ist wirklich sehr reich. Ganz schicke Häuser mit ebenso schicken Autos davor, durchaus auch Mercedes oder BMW und überall Palmen am Straßenrand. Der Rikschafahrer schmeißt mich dann hoffentlich an der richtigen Straßenecke raus und ich gehe die letzten paar Meter zum Büro zu Fuß. Über den Preis verhandel ich gar nicht mehr, denn ich weiß ganz genau, dass die Strecke 20 Rupien kostet und die drücke ich ihm dann einfach in die Hand.
Im Büro hatte ich gestern erstmal eine Introduction Presentation im Konferenzraum über das Unternehmen, die Unternehmenskultur und die Hierarchieebenen. Nach dem Papierkram wurde ich jedem der 50 Mitarbeitern persönlich vorgestellt und sie wurden darum gebeten, mich in die "Unternehmensfamilie" aufzunehmen. Nachdem mein Computer für mich eingerichtet worden war, hatte ich nochmal ein sehr nettes Gespräch mit dem anderen Chef. Die Menschen dort sind wirklich sehr sehr nett und die Chefs scheinen ernsthaftes Interesse daran zu haben, dass es mir hier gut geht. Zwei Office Boys sind extra dafür zuständig, dass wir ständig mit Chai oder Kaffee (ich bevorzuge Chai) versorgt sind. Mittags sammeln sie von allen Angestellten die mitgebrachten Mahlzeiten ein und bereiten sie für alle zu. Die Behälter werden anschließend gespült wieder zurückgegeben. Nur wenige (darunter ich) bestellen sich was zum Essen. Heute war ich allerdings in der Kaffeebar nebenan und habe ein Chicken Tikka Sandwich gegessen. Dort ist man wieder komplett in der westlichen Welt. Flatscreens an den Wänden zeigten heute ein Interview mit Michael Schumacher und im Radio lief - ich konnte es fast nicht glauben - Sasha. Ein Stück Soest mitten in Indien! :)
Heute war ich das erste Mal einkaufen. Der Supermarkt ist sehr klein, aber es gibt erstaunlicherweise alles von wirklich schöner Bettwäsche (ich werde mir auf alle Fälle welche kaufen müssen) über kleinere Einrichtungsgegenstände bis hin zu Ariel-Waschmittel, Knorr-Tütensuppen, Rocher-Pralinen und allen gängigen Kosmetikartikeln wie sie auch in jedem deutschen Drogeriemarkt stehen. Das Einzige, was ich nicht finden konnte, waren Papiertaschentücher. Die gibt es hier nur in großen Kleenex-Spenderboxen, aber man kann sich gut mit Servietten behelfen. Wie in Amerika gibt es extra Angestellte, die einem die Einkäufe in Plastiktüten packen und einem die Tür aufhalten. Vollgepackt ging es dann mit der Rikscha wieder zurück und ich dachte zum ersten Mal, dass es hier wirklich schön ist und man es gut aushalten kann.
Gestern Abend hatten wir eine großes internationales Sit-in auf unserem Balkon mit Praktikanten aus der ganzen Welt. Gemeinsam haben wir hier indisches Bier probiert. Im Vergleich zu einem guten sauerländer Schützenfestbier ist das natürlich wenig attraktiv, aber es schmeckt ganz gut. Man bekommt es allerdings nur in 0,75-Liter-Flaschen, was ein wenig unpraktisch ist, wenn man zu den langsamen Trinkern gehört, denn das Bier wird schneller warm als man trinken kann. Alkohol ist hier für indische Verhältnisse teuer, aber im Vergleich zu Deutschland noch ein Schnäppchen (eine Flasche Bacardi kostet umgerechnet 4-6€). Artig sind wir aber dann um zwei ins Bett gegangen, um die Ahnen im Tempel gegenüber ruhen zu lassen. :) Heute hat meine Mitbewohnerin aus der Schweiz Nudeln mit Gemüse für uns gekocht und nun sitzen wir noch gemütlich zusammen und genießen das Leben. Den freien Samstag werde ich nutzen, um hier ein wenig zu putzen, denn der feine Staub setzt sich wirklich überall fest, was besonders dem Laptop nicht gut tut. Meine weißen Blusen werden nach den fünf Monaten auch definitv nicht mehr weiß sein... Eine Putzfrau einzustellen, wurde auch schon überlegt. Es ist auch eher eine Frage der Moral statt einer Frage des Geldes. Für jeden von uns wären es ein paar Cent...
Am Sonntag planen Katya (aus Russland), Patrick (aus Ulm) und ich einen Tagesausflug ins Himalaya nach Shimla. Patrick kümmert sich um alles, ich muss nur am Sonntag um 4Uhr in der Früh aufstehen. Von dem Ausflug werde ich natürlich berichten!

3 Kommentare:

  1. Na siehse. Da hasse ja es ja doch noch super erwischt. Ich bleib auf jedenfall am Ball und hoffe viel von dir und deinen Erfahrungen zu lesen!

    Wie teuer sind den die Transporte nach Neu Dehli und Mumbay? fliegen ist da sicher die beste Idee oder?

    Du musst in deinem Freien Monat unbedingt nach GOA!

    Grüße

    Rob

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  2. Fliegen? Taxi! 4 Leute - 1500km - 3 Tage = 30€ pro Person. :)

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  3. Hi Isa, nun sind wir doch heilfroh. Viel Spaß!

    Der kommende Ausflug zur ehemaligen Sommeresidenz der "Britischen Verwaltung" wird bestimmt beeindruckend: 864 Brücken, 102 Tunnel, 919 Kurven auf Schmalspur...

    Vielleicht können wir ja im Januar ein paar Tage gemeinsam durch die Gegend Reisen: Z.B. mit dem Kamel durch die Wüste Thar?

    LG P+M

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