Freitag, 25. September 2009

Varanasi...

...sollte hier eigentlich als Überschrift stehen, gefolgt von tollen Bildern von meditierenden Gurus mit bunten Körperbemalungen und langen Bärten, von Gläubigen, die ihre rituellen Waschungen im Ganges vollziegen, von Tempeln und Lichterzeremonien auf Lotusblüten, die den Ganges dahinschippern...
Leider ist Montag Feiertag und halb Indien scheint auf Reisen zu sein. Auch wenn wir unsere Tickets für den Schlafwagen (17 Stunden Zugfahrt! - Nein, ich habe mich nicht vertippt...) bereits Anfang der Woche äusserst fortschrittlich online gebucht hatten, standen wir gestern ohne gültige Tickets da. Denn was wir nicht wussten (Wer das Kleingedruckte liest, ist klar im Vorteil...), ist, dass bei einer Überbuchung die Onlinetickets automatisch storniert werden, zugunsten derer, die ihr Ticket am Schalter erstanden haben. Nach langen Diskussionen mit den Schaffnern und Bahnhofspersonal - es gibt dort keinen einzigen Computer, an dem wir unsere Stornierung hätten überprüfen können; verwendete Methode zur Buchungsüberprüfung: Meterlange Papierlisten - wurden uns Plätze im General Compartment angeboten - Danke nein. 17 Stunden lang auf engstem Raum ohne Sitzplätze eingesperrt zu sein, erschien uns allen nicht zumutbar. Also ging es mit dem Local Bus (nach einem Monat Indien meine Premiere mit dieser Art öffentlicher Verkehrsmittel) wieder zurück. Komfortabel ist nicht das passendste Prädikat für diese Art zu reisen, aber eine Stunde von Ambala zurück nach Chandigarh kann man auf einem Bein stehend und sich wegen der Schlaglöcher und fehlenden Stoßdämpfer festklammernd, aushalten. Nach sechs Stunden Hin- und Rückreise zum Bahnhof in Ambala plus Wartezeit und Endlosdiskussionen sind wir dann wieder müde und verschwitzt in Panchkula angekommen.
Planänderung fürs Wochenende: Samstag chillen und die Party, die Kathy und meine Firma schmeißt (Disco angemietet samt Lounge und DJ, Flatscreen für das Cricketmatch Indien vs. Pakistan, Essen for free) aufmischen und Sonntag/Montag geht es nach Amritsar. Das ist ja gleich um die Ecke.
Etwas Gutes hatte der Ausflug gestern allerdings: Ich wurde wieder wachgerüttelt. In Chandigarh ist es leicht, der Armut aus dem Weg zu gehen. Es gibt hier so viele gute Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und schöne Grünanlagen. Fährt man nur 45 Minuten mit dem Bus bis Ambala, trifft es mich wieder wie der Schlag. So viele Menschen schlafen auf der Straße und am Bahnhof! Bei manchen Kreaturen ist man sich auch nicht mehr so sicher, ob diese noch leben. Kinder weinen, weil sie Hunger haben. Babys liegen im Dreck. Es stinkt, es ist unglaublich dreckig, der Staub klebt sofort überall an der verschwitzten Haut und überall sind Fliegen. Man darf halt nicht vergessen, dass Indien fernab der boomenden, modernen IT-Parks noch immer ein Entwicklungsland ist.

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