Dienstag, 29. September 2009

The Tribune & Visaangelegenheiten

Nachdem ich letzten Donnerstag vollkommen von einem Telefoninterview mit der indischen Zeitung "The Tribune" überrumpelt wurde und den Tag darauf ein Fotograf bei mir im Büro stand, war es dann heute soweit: Ich war in der Zeitung. Sie haben ungefähr zwei der dämlichsten Sätze von mir veröffentlicht, das schlimmste der Bilder ausgewählt und außerdem den Firmennamen vergessen... Was soll's? Wer kann schon von sich behaupten in einer indischen Zeitung gewesen zu sein? Den Online-Artikel gibt es hier.
Nach dem guten Start in den Tag erhielt ich dann allerdings eine wenig erfreuliche Nachricht von AIESEC Indien: Alle Praktikanten, die mit einem Business Visum eingereist sind, müssten noch heute nach Delhi und das Visum ändern lassen. Es gäbe ein neues Gesetz, welches bei Nichtbefolgung zur sofortigen Ausweisung aus Indien führen würde. Ab da stand mein Handy nicht mehr still. Etwa 20 andere Praktikanten vor Ort haben das gleiche Problem. Um an Detailinfos zu kommen, hab ich erst versucht, die Indische Botschaft in Deutschland zu erreichen und schließlich hab ich es bei der Deutschen Botschaft in Delhi versucht, aber im ersten Fall ging niemand ans Telefon und bei der letzteren war die Telefonverbindung sowas von mies, dass ich kein Wort verstanden habe. Die Notfallnummer funktionierte nicht. Super. Ich stand kurz vorm Nervenzusammenbruch. Meine beiden Chefs haben für mich alle Hebel in Verbindung gesetzt, um an Infos zu kommen. Mit indischer Gelassenheit meinten sie nur: "Don't worry." - Ein Satz, den man hier oft hört. Ich hab mich dann im Indischsein geübt, aber hat nicht gut geklappt. Ich war viel zu aufgeregt. Alles, was ich noch hervorbringen konnte, war: "But I don' want to go back to Germany." Nach einer halben Ewigkeit Warterei hieß es dann erst, dass wir geschlossen als Gruppe von Praktikanten mit dem Nachtbus nach Delhi reisen würden, nach einer weiteren Stunde kam dann endlich mal eine gute Nachricht: Uns wird Aufschub bis zum 31.10. gewährt. Ich werde das Unangenehme, falls möglich, mit dem Angenehmen verbinden und dann ein wenig in Delhi rumbummeln.

Montag, 28. September 2009

Dussehra


Heute ist Feiertag in Indien. Um nicht als Kulturbanause zu gelten, haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, die einheimischen Rituale anzuschauen. Dussehra ist einer der größten Hindu-Feiertage. Gefeiert wird der Tag, an dem der Gott Rama den zehnköpfigen Dämonenkönig Ravana tötete und dessen Thron an seinen Bruder Vibhishana weitergab. Kurzum: Gefeiert wird der Sieg des Guten über das Böse. Es gibt verschiedene Rituale. In Chandigarh werden an mehreren Schauplätzen drei teufelartige Figuren verbrannt. (Welche Figur nun genau welchen Charakter darstellt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.) Rundherum um das ganze Geschehen gibt es ein Feuerwerk zu sehen.

Pakistanische Grenze & Amritsar






Dieses Wochenende stand unter keinem guten Stern fürs Reisen. Aber von Anfang an:
Nachdem die Nacht nach der Party äußerst kurz war, sollte morgens um 8 der Taxifahrer vor der Tür stehen. Gemäß indischer Zeitrechnung wurde es dann 10, aber das hatten wir eingeplant. Nicht eingeplant waren jedoch eine Reifenpanne, die uns nochmal eine Stunde gekostet hat und immer wieder Stau. Somit schaffte es unsere kolumbianisch-lettisch-deutsche Delegation nach 7 Stunden Taxifahrt nur auf die Minute passend zur Boardershow an der indisch-pakistanischen Grenze. Als sichtbar nicht-indische Touristen wurden wir durch die ersten Kontrollen durchgewunken. Vorm Sicherheitscheck hieß es dann aber in zwei Reihen aufstellen, Männer rechts, Frauen links. Wer aus der Reihe tanzt, wird per Stock wieder zurückgeprügelt. Leider wird der VIP-Eingang für Foreigners bereits einige Minuten vor der Show geschlossen. Unsere Versuche, mit den Soldaten zu verhandeln, verliefen angesichts deren Bewaffnung eher kleinlaut. Also, fix unters einheimische Fußvolk gemischt. Gesehen von dem Spektakel des täglichen Wachwechsels haben wir nicht viel, aber die Stimmung war super! Auf beiden Seiten der Grenze sind Tribünen aufgebaut, die Grenze besteht hauptsächlich aus einem Tor, sodass man das Spektakel der Gegenseite auch betrachten kann. Die Soldaten führen dann in strikter Reihenfolge ihren eher tänzerischen Wachwechsel aus. Die Menge tobt, jede Seite feuert ihr Land an. Ein Entertainer mit Mikro stachelt die erhitzten Gemüter noch ein wenig weiter an. Doch wie an allen touristischen Plätzen gilt auch hier: Wir sind die größte Attraktion. Was Inder alles anstellen, um still und heimlich ein Foto von uns zu machen... Unglaublich! Kathy - obwohl für mich eindeutig lateinamerikanischer Herkunft - geht mit indischen Klamotten selbst für viele Inder als "local" durch, aber Ivan und ich, beide blond, haben das Nachsehen.
Mit dem Taxi ging es dann weiter nach Amritsar in die Innenstadt. Wow, die Stadt pulsiert und es ist auch spät nachts noch richtig was los! Der goldene Tempel, das größte Heiligtum der Sikhs, sieht bei Nacht wirklich wunderschön aus! (Die Stärke meiner Kamera liegt leider nicht darin, Bilder bei Nacht zu machen.) Schuhe ausziehen, Füße waschen und Kopftuch tragen, ist innerhalb des Komplexes allerdings Pflicht. Fußpilzphobiker sollten lieber draußen bleiben. Gerne hätten wir auch das Heiligtum von innen besichtigt, wir standen auch schon über eine halbe Stunde in der Schlange als Ivan jedoch 5 Meter vor dem Eingang meinte, das Bewusstsein verlieren zu müssen. Kathy und ich hatten Not, Ivan gegen den Strom aus der Menge zu ziehen. Wie gesagt, das Wochenende ist nicht zum Reisen gedacht gewesen. Nach einer Stärkung im Pizzaschnellrestaurant ging es ihm aber schnell wieder besser. Um 3 Uhr morgens hat uns unser Taxifahrer wieder sicher nach Hause gebracht. Sowohl von der Hin- als auch von der Rückfahrt hab ich allerdings nichts mitbekommen. Ich hab geschlafen wie ein Baby. Dank der Klimaanlage im Taxi hab ich nun aber eine dicke Erkältung und ich weiß nicht, ob ich bei den über 30°C schwitzen oder frieren soll.

Party



Von wegen das Unternehmen schmeißt eine Party... Nur unsere beiden Chefs haben eine Party geschmissen und was für eine! Exklusiver Abholservice für Kathy, die anderen Praktikanten, die wir einladen durften, und mich. Das Ressort mit gepflegtem Rasen, einer Bar und BBQ unter Palmen, Swimmingpool, weiße Pavillions mit Sitzgelegenheiten, Flatscreen, auf dem das Kricketmatch übertragen wurde (das Ganze dauert gut 8 Stunden...), ein DJ für die Werbepausen, Cocktails und echt gutes Essen for free... Ein perfekter Abend, abgesehen von 17 Mückenstichen allein auf dem linken und 25 allein auf dem rechten Fuß... Achja, Indien hat das Match gegen Pakistan verloren. Die Stimmung war trotzdem gut.

Samstag, 26. September 2009

Shopping auf dem Basar

Oh mein Gott, dies ist das Paradies auf Erden!

Ratet mal, was ich für 450Rs, umgerechnet 6,60€, alles bekommen habe?

- 24 Armreifen (ca. 1,20€)
- ein Paar Ohrringe (ca. 0,30€)
- Bluse von H&M (ca. 2,20€)
- Die schönste Reisetasche aus Seide, die die Welt je gesehen hat... (ca. 2,90€)

:D




Freitag, 25. September 2009

Varanasi...

...sollte hier eigentlich als Überschrift stehen, gefolgt von tollen Bildern von meditierenden Gurus mit bunten Körperbemalungen und langen Bärten, von Gläubigen, die ihre rituellen Waschungen im Ganges vollziegen, von Tempeln und Lichterzeremonien auf Lotusblüten, die den Ganges dahinschippern...
Leider ist Montag Feiertag und halb Indien scheint auf Reisen zu sein. Auch wenn wir unsere Tickets für den Schlafwagen (17 Stunden Zugfahrt! - Nein, ich habe mich nicht vertippt...) bereits Anfang der Woche äusserst fortschrittlich online gebucht hatten, standen wir gestern ohne gültige Tickets da. Denn was wir nicht wussten (Wer das Kleingedruckte liest, ist klar im Vorteil...), ist, dass bei einer Überbuchung die Onlinetickets automatisch storniert werden, zugunsten derer, die ihr Ticket am Schalter erstanden haben. Nach langen Diskussionen mit den Schaffnern und Bahnhofspersonal - es gibt dort keinen einzigen Computer, an dem wir unsere Stornierung hätten überprüfen können; verwendete Methode zur Buchungsüberprüfung: Meterlange Papierlisten - wurden uns Plätze im General Compartment angeboten - Danke nein. 17 Stunden lang auf engstem Raum ohne Sitzplätze eingesperrt zu sein, erschien uns allen nicht zumutbar. Also ging es mit dem Local Bus (nach einem Monat Indien meine Premiere mit dieser Art öffentlicher Verkehrsmittel) wieder zurück. Komfortabel ist nicht das passendste Prädikat für diese Art zu reisen, aber eine Stunde von Ambala zurück nach Chandigarh kann man auf einem Bein stehend und sich wegen der Schlaglöcher und fehlenden Stoßdämpfer festklammernd, aushalten. Nach sechs Stunden Hin- und Rückreise zum Bahnhof in Ambala plus Wartezeit und Endlosdiskussionen sind wir dann wieder müde und verschwitzt in Panchkula angekommen.
Planänderung fürs Wochenende: Samstag chillen und die Party, die Kathy und meine Firma schmeißt (Disco angemietet samt Lounge und DJ, Flatscreen für das Cricketmatch Indien vs. Pakistan, Essen for free) aufmischen und Sonntag/Montag geht es nach Amritsar. Das ist ja gleich um die Ecke.
Etwas Gutes hatte der Ausflug gestern allerdings: Ich wurde wieder wachgerüttelt. In Chandigarh ist es leicht, der Armut aus dem Weg zu gehen. Es gibt hier so viele gute Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und schöne Grünanlagen. Fährt man nur 45 Minuten mit dem Bus bis Ambala, trifft es mich wieder wie der Schlag. So viele Menschen schlafen auf der Straße und am Bahnhof! Bei manchen Kreaturen ist man sich auch nicht mehr so sicher, ob diese noch leben. Kinder weinen, weil sie Hunger haben. Babys liegen im Dreck. Es stinkt, es ist unglaublich dreckig, der Staub klebt sofort überall an der verschwitzten Haut und überall sind Fliegen. Man darf halt nicht vergessen, dass Indien fernab der boomenden, modernen IT-Parks noch immer ein Entwicklungsland ist.

Dienstag, 22. September 2009

Kuriositäten oder vielleicht einfach nur die indische Kultur - Teil II

Ein Großteil der Verkehrsteilnehmer ist mit Motorrädern oder -rollern unterwegs. Man sollte es nicht für möglich halten, aber es passen auch ganze Familien auf einen Roller. Das Kuriose an der Sache ist, dass Helmpflicht herrscht – aber nur für Männer. Frauen sind davon befreit. Es gibt eine weitere Ausnahme: Männliche Sikhs, die für gewöhnlich einen Turban tragen, sind aus praktischen Gründen ebenfalls der Helmpflicht entbunden.
Eine weitere Kuriosität ist das Fasten. Meine Kollegin fastet aus religiösen Gründen jeden Donnerstag. Normalerweise essen wir Mädels hier den ganzen lieben langen Tag nur Kekse, Bananenchips und Schokolade. Deshalb fand ich es nur nachvollziehbar als mir meine Kollegin eines Donnerstags mitteilte, dass sie mir heute leider kein Essen anbieten könne. Sie würde zum Wohle ihres zukünftigen Mannes fasten. Den Grund find ich zwar witzig, aber das ist nicht, was mich irritiert. Als sie nämlich kurze Zeit später eine Tüte Chips öffnete und genüsslich vor sich hin mampfte, hab ich dann doch mal nachgehakt. Fasten bedeutet für sie, dass sie donnerstags nur gelbe Sachen isst (allerdings keine Bananen - warum auch immer) und das Essen mit niemandem teilen darf. Hä?
Generell wird das Essen hier zelebriert und Teilen ist oberstes Gebot. Wenn ich also Heißhunger auf Schoki hab, kauf ich direkt lieber drei Schokoriegel, damit was für mich übrig bleibt.

Montag, 21. September 2009

Indische Gastfreundschaft

Mama und Papa: Eure schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten: Ich hab einen roten Punkt auf der Stirn. :) Gab's als Willkommensgeschenk. Aber von Anfang an:
Patricks Boss fühlt sich nach wie vor einsam und hat es sich nicht nehmen lassen, uns heute Abend zu sich nach Hause (Mohali) einzuladen. Ich war ein wenig überrascht, dass die Verhältnisse zwar nicht ärmlich, aber doch sehr karg und pragmatisch sind. Dennoch hat seine gute Frau ordentlich an kulinarischen Köstlichkeiten aufgetischt, deren Namen ich einfach nicht auseinanderhalten kann. Es gab auf alle Fälle reichlich (ca. 2 Stunden hat alleine die Vorspeise gedauert). Es gab Chicken (scharf!!!), Coconut Chutney, natürlich Chapati und und und... Ich platze! Kleiner Tipp fuer Indienreisende: Niemals den Teller leer essen, denn man hat sofort eine neue Portion vor sich stehen. Widerstand zwecklos.

Sonntag, 20. September 2009

Sightseeing in Chandigarh













Heute Vormittag stand zunächst Kultur auf dem Programm: Le Corbusier Centre, Museum & Art Gallery und das Architecture Museum. Nach dem Lunch im China Restaurant ging es weiter zum Rose Garden und schließlich in den Rock Garden. Besonders Letzterer ist wirklich sehr schön.

Samstag, 19. September 2009

Kurzer Krankenhausaufenthalt

Keine Panik, alles halb so wild. Nachdem ich nun eine Woche lang unfähig war, irgendwelche Nahrung bei mir zu behalten und sich der Medikamentenvorrat aus Deutschland allmählich dem Ende zuneigt (geholfen hat er nicht), hab ich mich heute dazu entschlossen, mich doch mal vor Ort in ärztliche Behandlung zu begeben. Nur wenige hundert Meter vom Traineehouse entfernt, ist das Phoenix Hospital & Diagnostic Centre. Das Ganze ist allerdings kein richtiges Krankenhaus, aber auch keine normale Arztpraxis, sondern irgendwas dazwischen. Es gibt zwar ein paar Betten für Patienten, die stationär behandelt werden müssen, aber ansonsten ist das Centre doch eher mit einer großen Arztpraxis vergleichbar. Von außen sieht das Haus nicht sehr vertrauenswürdig aus, aber inzwischen weiß ich, dass das hier überall so ist (außen Bruchbude, innen Schickimicki) und man erstmal reingehen sollte. Drinnen wurde ich von einer sehr sauberen und modernen Einrichtung, modernster Technik und englischsprachigem Personal überrascht. Für nur 200Rs wurde meine Krankenakte erstellt. Bei dem Arzt hab ich mich gut aufgehoben gefühlt. Sein Englisch ist absolut akzentfrei. Als er mich nach einem kurzen Gespräch bat, ihm die Medikamente zu zeigen, die ich bisher eingenommen hatte, guckte er mich fragend an und wollte wissen, warum die Beschreibung auf den Tablettenpackungen denn auf Deutsch seien. Ich sei doch schließlich wegen meines Akzentes unverkennbar aus den USA... Danke für das Kompliment, Herr Doktor, aber ich bin kein Native Speaker. :) Meine Hausapotheke habe ich schließlich nochmals für rund 200Rs aufgestockt - witzig: Man bekommt die Tabletten einzeln abgezählt - und bereits nach der ersten Tablettenladung heute Mittag stellte sich direkt Besserung ein. Bei indischen Gesundheitsproblemen helfen eben nur indische Mittelchen. Erwähnenswert: Das erste dicke Schild, welches man beim Hereinkommen in die Praxis sieht, teilt mit "We're part of the campaign against female foeticide. Save girl child." Pränatale Geschlechtsbestimmungen werden in dieser Praxis nicht durchgeführt, um Abtreibungen von weiblichen Babys zu verhindern.
Der Tag vor dem Arztbesuch begann allerdings schon sehr aufregend: Bei uns wurde heute Nacht eingebrochen. Der Laptop meiner Zimmernachbarin Anne wurde gestohlen. Im Gegensatz zu meinem Laptop lag ihrer allerdings gut sichtbar neben ihrem Bett. Wir sind uns allerdings nicht sicher, ob der Laptop gestohlen wurde bevor wir nachts zurückgekommen sind (aber auch da waren drei von uns insgesamt neun Bewohnern zuhause) oder aber erst danach, was bedeuten würde, jemand war in unserem Zimmer während wir geschlafen haben. Letzteres find ich gruselig. Von meinen Wertsachen fehlt nichts.
Heute Abend wurde ich gemeinsam mit ein paar anderen Trainees von Patricks Chef zum Dinner in ein fancy hotel eingeladen. Da seine beiden Kinder neuerdings im Ausland studieren, fühlt er sich einsam und es war ihm eine Ehre, uns einladen zu dürfen. Gut für uns, denn das Essen (Chicken mit allerlei Marinaden und gebratenes Gemüse in Honig) und die Cocktails waren echt klasse! Allerdings auch hier das Problem: Drinking & driving... Ich war froh, dass nicht er, sondern ein anderer Kollege uns nach Hause gefahren hat.

Freitag, 18. September 2009

Hochzeitsvorbereitungen

Der große Tag (oder eher die beiden großen Tage) meiner Kollegin rücken unaufhaltsam näher. Um uns den kulturellen Gepflogenheiten anzupassen, sind Kathy und ich heute in einen Wedding-Suit-Laden gegangen. Es gibt zwar fertiggeschneiderte Suits - davon werden wir uns auch noch einen zweiten zulegen - aber für heute wollten wir einen maßgeschneiderten Suit. Ein Suit ist immerhin noch um einiges billiger als ein Sari, aber man kann trotzdem ganze Monatsgehälter dafür ausgeben. Wir haben uns eher an der mittleren Preiskategorie orientiert. Man setzt sich also mitten in den Shop auf eines der bequemen Sofas, rundherum türmen sich meterhohe Regale mit wunderschönen Stoffen, und man lässt sich von den Verkäufern die Stoffe präsentieren. Wahnsinn! Nachdem wir unsere Stoffe ausgewählt hatten, wurden wir von oben bis unten vermessen. Dienstag - das heißt im Klartext frühestens Mittwoch - können wir unsere Suits abholen.
Schuhe (Wow! Wow! Wow!), Tasche und Schmuck werden wir für unglaublich wenig Geld auf dem Basar erstehen können. Die Frau unseres Vertrauens, die uns am Tag vor der Hochzeit mit Henna bemalen wird, haben wir auch schon ausfindig gemacht.

Donnerstag, 17. September 2009

Kuriositäten oder vielleicht einfach nur die indische Kultur - Teil I

Ich schreib einfach mal ein paar Dinge nieder, die mir hier immer wieder auffallen. Zum Teil sind es nur Kleinigkeiten, aber sie mögen vielleicht einen Teil der indischen Kultur widerspiegeln und euch das Leben hier näher bringen.
Der Alltag hier ist ein wenig beschwerlicher als in Deutschland. Mal eben einen Zettel kopieren? Man plane - ich neige zu Übertreibungen - einen halben Tag ein! Man könnte denken, dass Chandigarh als auf dem Zeichenbrett entstandene Planstadt ihrem Namen als "well-planned city" alle Ehre macht, aber dem ist meiner Ansicht nach nicht so. Sucht man irgendwas bestimmtes, was es im Supermarkt nebenan nicht gibt, dann heißt es "In Sektor soundso könnte es das geben." Also ab auf die Rikscha geschwungen und los geht's quer durch diese Großstadt! Chandigarh hat schließlich fast eine Millionen Einwohner und wenn man die angrenzenden Städte Panchkula und Mohali dazurechnet, kann man von über einer Millionen sprechen. Hat man dann einen Copy Shop gefunden, kann man sich fast sicher sein, dass der Kopierer dort nicht funktioniert. :) So ist das nunmal hier.
Die Sprache - ein Kapitel für sich. Hindi soll leicht sein, aber ich habe weder Zeit noch Lust mich damit intensiv auseinander zu setzen. Denn gerade Anfänger sind enttäuscht, dass genau die Wörter, die man zu Beginn lernt (Bitte, Danke usw.) niemals in Hindi, sondern in Englisch gebraucht werden. Hindisch eben... Der Akzent im Englischen ist wirklich niedlich. (Es gibt hier echt viele (!) Sprachschulen, die Kurse anbieten, um den Akzent wegzutrainieren und somit eine internationale Karriere vorbereiten sollen.) Für Deutsche, die mit dem "th" auf Kriegsfuß stehen, ist das hier das Paradies. Man braucht es nicht. Aus "three" wird "tree" und man fragt sich am Anfang, warum Inder so viel und gerne über Bäume sprechen... Aus "sure" wird - ich schreib mal, wie man's spricht - "schoar" usw. So langsam gewöhne ich mich dran. Hoffe, ich verlerne mein mühsam seit der 5. Klasse antrainiertes "th" nicht... Ich erfreue mich immer wieder an dem Akzent meines amerikanischen Mitbewohners oder an dem der doch recht zahlreich vertretenen Trainees aus New Zealand. Klingt ganz anders.
Dann wär da noch das wohl spannendste Thema, über das meine indischen Kolleginnen und ich uns gerne austauschen: Beziehungen, Heiraten, Party usw. Dating scheint hier langsam toleriert zu werden. Es ist allerdings so üblich, dass man bis zur Heirat bei seinen Eltern wohnt, es sei denn, die Karriere ruft einen woanders hin. Gutes Heiratsalter bedeutet 26-Anfang 30. Wer bis dahin niemanden zum Heiraten gefunden hat, wird halt verheiratet. Singles gibt es kaum. Aber auch dann lebt man nicht mit dem/der Liebsten alleine, sondern die Braut zieht zu Ihrem Gatten und dessen Eltern. Wenn ich erzähle, dass ich alleine in Bochum gewohnt hab, gucken mich alle mit großen Augen an und fragen besorgt, ob meine Eltern mich rausgeschmissen hätten. Kein Witz! Ich muss dann immer erklären, dass meine Uni zu weit weg ist, um jeden Tag zu pendeln (Haha, stimmt nicht!). Dann sind alle Beteiligten meistens sehr beruhigt. Party ist hier zumindest für Mädchen total verpöhnt! Alkohol sowieso! Leider trinken hier nur die Männer und die auch nur, um betrunken zu werden. So ist mein Eindruck. Ein Bier zum Genießen am Abend stößt hier auf Unverständnis. Der jüngere meiner Chefs, ca. 27, wohnt selbstverständlich noch bei seinen Eltern. Er fragt uns Trainees immer, wo die nächste Party steigt, schleicht sich aus dem Haus oder erzählt seinen Eltern, er ginge ins Kino und kommt mit uns feiern. Er ist allerdings sehr schüchtern. :) Sein "Doppelleben" ist aber für alle anderen in der Firma tabu! Was mir eher Sorgen bereitet, ist, dass er meint, nach dem ein oder anderen Wodka noch fahren zu können. Aber da trau ich mich nicht, ihn eines Besseren zu belehren.
So, das waren mal ein paar Eindrücke aus dem Leben hier. Viel Spaß damit!

Nachtrag: Bilder

Das rote Haus in der Mitte ist meine neue Bleibe. Sieht von innen genauso gepflegt aus wie von aussen. Wir Trainees belagern den ersten Stock - wie unschwer an der Wäsche auf dem Balkon zu sehen sein müsste. Ich versuche mal auf die Reihe zu kriegen, wer hier alles wohnt:
Ben (USA), Ivan (Lettland), Bostian (Slowenien - das ist der Typ, der mit mir im gleichen Flieger saß), Jeffrey (Taiwan), Collins (China), Rosy (Mexiko), Kathy (Kolumbien - sie macht ihr Praktikum als Webdesignerin im gleichen Unternehmen wie ich), Anne (Niederlande) und ich. Aber die Besetzung ändert sich hier ständig. Zwei oder drei meiner jetzigen Mitbewohner ziehen innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen aus. Wojtek, mein Mitbewohner aus dem Traineehouse aus Sektor 16, wird dann aber einziehen. He wants me to be his roomie again. :) Vermisse sein Schnarchen nachts auch schon. :)

Dienstag, 15. September 2009

Bilder aus der Nachbarschaft





Anbei einfach mal ein paar Schnappschüsse aus der Nachbarschaft. Zum Teil leider ein wenig verwackelt, da ich sie aus der Rikscha aufgenommen habe. Ich werde allerdings heute umziehen, die Nachbarschaft bleibt aber die gleiche. Endlich ein sauberes Haus mit richtigen Duschen! Ich bin leider immer noch krank und hygienische Verhältnisse können meiner Genesung nicht schaden. Gestern war ich zwar arbeiten, aber heute bin ich zwei Stunden eher gegangen, weil ich es vor Magenschmerzen nicht mehr ausgehalten habe. Ein weiterer guter Grund umzuziehen, ist der, dass in diesem Haus heute eine Party steigt und mein Bett, welches ich krankheitsbedingt sehr gerne belagern würde, mitten im Partyraum steht. Bilder vom neuen Zuhause folgen.

Sonntag, 13. September 2009

Fragen von Indern an eine Deutsche

Sicherlich kann man nicht generalisieren, aber hin und wieder werden mir hier doch merkwürdige Fragen gestellt.* Hier ein kleiner Auszug:

- In welchem Teil Deutschlands sind die Niagarafälle?
- Ist Deutschland ein Entwicklungsland?
- Stimmt es, dass man in Deutschland im Alter von 15-16 Jahren von Zuhause ausziehen muss?
- Steht die Mauer in Deutschland noch?
- Wie finden die Deutschen Hitler?
- Könnt ihr wirklich umsonst ins Festnetz telefonieren?
- Sind alle Deutschen blond?

* Zu meiner eigenen Schande: Als ich nach Indien kam, war ich fest davon überzeugt, dass ein Kopfnicken "Nein" und ein Kopfschütteln "Ja" bedeuten würde. Dem ist nicht so...

In diesem Sinne trage ich hier im kleinen Kreis zur Völkerverständigung bei. :)

Krank

Bisher war ich ja sehr froh, gesundheitlich keine Probleme gehabt zu haben. Die Warnungen meiner Mitbewohner, dass sie alle erst ab der zweiten Woche krank geworden sind, hab ich gekonnt verdrängt. Jedoch bin ich gestern schon mit furchtbar quälenden Magenschmerzen aufgestanden. Hinzu kommt der plötzliche Wetterumschwung (Hitze!), der meinen Kreislauf ein wenig in den Keller sacken ließ. Dennoch hab ich mich mit Mirjam aus der Schweiz auf den Weg nach Sektor 17 (Chandigarh) gemacht, um shoppen zu gehen. Marken- und Preistechnisch unterscheidet sich das Angebot dort nicht von unserem Angebot zuhause. Es gibt sogar einen Esprit-Store. :) Aufgrund der immer schlimmer werdenden Magenkrämpfe habe ich mich dann mit dem Einkauf ein wenig beeilt. Immerhin hab ich nun eine kuschelige Wolldecke für die kälter werdenden Nächte und eine ganze Reihe an Postkarten, die der Ein oder Andere von euch demnächst in seinem Briefkasten finden wird. Trotz Magenkrämpfen konnte ich es nicht lassen, mir eine indische Pizza (mit dem leckersten indischen Käse, Paneer genannt, und Ananas :)) zu genehmigen. Daraufhin wurde wir vor Schmerzen nahezu schwarz vor Augen, aber die Tortur sollte noch ein wenig weitergehen. Statt mich nach Hause zu begeben, wurde ich von Mirjams indischer Freundin zu ihr nach Hause eingeladen. Ihr Vater feierte allerdings gerade seinen 50. Geburtstag, sodass ich mich durch Sahnetorte und andere leckere Sachen durchfuttern musste. Essen ist Indien was ganz Besonderes und ich hätte es unhöflich gefunden, die Einladung abzulehnen.
Zurück im Traineehouse hab ich mich sicherheitshalber mal direkt ins Bett begeben, aber die horizontale Körperhaltung fand mein Magen wohl eher nicht so angenehm, eingenommene Medikamente wurden direkt der Kanalisation zugeführt. ;) Unschön, wenn man zwischenzeitlich kein fließendes Wasser hat. Jaja, incredible India... (Genau wie die meisten anderen hier, hab ich bisher auch ohne Erkrankung einiges an Gewicht verloren. Die Hosen passen nicht mehr so richtig, aber ein im Supermarkt entdecktes Nutella-Glas wird demnächst Abhilfe schaffen.) Zu den Magenkrämpfen kam plötzlich einsetzendes, hohes Fieber. Meinen beiden Mitbewohnern Wojtek und Patrick erging es ähnlich.
Seit heute Morgen bin ich fieber- und weitgehend schmerzfrei. Dennoch throne ich nun lieber frisch geduscht auf meinem Bett anstatt eine Sightseeing-Tour durch Chandigarh zu unternehmen.
Ich hoffe, ich kann heute Abend mit zu Mirjams Goodbye-Dinner gehen, denn die Glückliche hat ihre zwei Monate Indien überlebt und sitzt morgen im Flieger nach Zürich.

Freitag, 11. September 2009

Clubbing & Kino Indian Style

Clubbing in Indien unterscheidet sich schon ein wenig von Clubbing in good ol' Germany. Hier geht es viel früher los (etwa um 9pm) und zumindest unter der Woche schließen die Clubs um 1am auch bereits wieder. Das Ganze ist ein bisschen schicker - indische Frauen erscheinen vor dem roten Teppich im kleinen Schwarzen und mit High Heels - und selbst die Barkeeper und Securitymänner tragen Anzug mit Fliege. Ein weiterer Unterschied ist, dass Männer alleine nicht in den Club kommen bzw. einen horrenden Preis bezahlen müssen. Demnach empfiehlt es sich, sich ein +1 für den Abend zu suchen und als Couple aufzutreten. Frauen hatten am Mittwochabend freien Eintritt und freien Verzehr, Männer in Begleitung einer Frau ebenfalls. Allerdings beschränkt sich die Auswahl der Getränke auf antialkoholische Varianten oder auf lediglich Bier und Wein. Denn für Hochprozentiges liegt das drinking age bei 25. Die Ausstattung des Clubs und die Musik unterscheiden sich allerdings nicht großartig. Neben uns durchaus bekannten Tracks von Nelly Furtado, Beyoncé und David Guetta, klingt nur selten mal ein indischer Song durch, was schade ist, denn die wenigen, die gespielt wurden, erhalten von mir das Prädikat "durchaus tanzbar". Hier findet ihr eine kleine Kostprobe.
Kino im Indian Style ist sehr amerikanisiert. Große Shoppingmalls, vor deren Eingang Sicherheitskontrollen wie am Flughafen sind, direkt unten die Fressmeile mit McDonald's und anderen FastFood-Ketten, Läden mit bekannten Markennamen (Markenjeans kosten umgerechnet 30-40€ - und nein, ich kann euch leider nicht allen Klamotten mitbringen, denn mein Koffer war schon auf dem Hinflug 4kg zu schwer...) und oben ein großes Kino. Da die meisten Filme auf Hindi oder zumindest auf Hindisch (das sprechen die Inder zu meiner Verwirrung fließend!), hatten wir genau einen Film zur Auswahl: Final Destination 4. Ich lass den mal unkommentiert, die Rezension würde nicht besonders positiv ausfallen. Das Kino ist viel zu klimatisiert (Jacke mitnehmen!). Die Werbung vor dem Film scheint mir uralt zu sein und ist kein bisschen zielgruppenspezifisch (Werbung für Babycreme vor einem Horrorfilm???). Doch dann - plötzlich Stille im Saal - auf der Leinwand erscheinen folgende Worte "Please stand up for the national anthem". Etwas verdattert, dass um uns herum alle aufstehen, haben wir das den Indern gleichgetan, mit der Jumboportion Pepsi in der rechten Hand und den Nachos in der linken. Während der Nationalhymne werden heroische Bilder von Soldaten der indischen Armee im verschneiten Himalaya gezeigt, im Hintergrund immer die wehende Nationalflagge. Zum Schluss des "Imagefilms" wird dann noch den Soldaten für ihren Einsatz gedankt. Das Ganze ist zwar sehr feierlich und irgendwie ergreifend, aber auch genauso amerikanisiert und vor allen Dingen neu. Die Nationalhymne wird erst seit ca. sechs Monaten auch in Kinos gespielt. Ein weiterer Unterschied: Es gibt eine Pause in jedem Film, sei er noch so kurz. Nach dem Kinoerlebnis, mussten wir dann unbedingt noch das indische McDonald's Angebot testen, was wie in allen anderen FastFood-Ketten, auch Kenntucky Fried Chicken, hauptsächlich vegetarisch ist.
Fazit: Shoppingmalls sind hier in Indien nur was für die oberen 10.000. Aber immerhin kann man dort dem schlechten Wetter entgehen. Seit vier Tagen regnet es ununterbrochen. Ich habe von einer anderen Praktikantin einen Regenmantel geschenkt bekommen, den man hier auch wirklich braucht, denn mit einem Schirm fängt man bei den letzten Ausläufen des Monsuns gar nichts an. Innerhalb von Sekunden sind die Straßen überflutet, z.T. steht man knietief im Wasser, sodass ich morgens in Gammelklamotten zur Arbeit starte und mich dort umziehe. Doch der Regen an sich wäre ja nicht so schlimm, wenn die extrem hohe Luftfeuchtigkeit nicht auch im Haus alles nass werden ließe. Alle meine Klamotten im Koffer sind nass, das neugekaufte Bettlaken ebenso. Und obwohl es draußen 30°C sind, frieren wir hier wegen der nassen Klamotten. Besonders nachts reichen die Bettlaken zum Zudecken nicht mehr aus. Trotz der sommerlichen Temperaturen bin ich gestern mit T-Shirt + Pullover + Mantel + langer Jeans aus dem Haus gegangen und habe nicht geschwitzt. Das Wetter ist wirklich ekelhaft. Wäsche trocknet bei diesem Wetter nicht (und ich müsste aber wirklich dringend mal Wäsche waschen!) und warmes Wasser, was ich mir morgens zum Duschen wünschen würde, gibt es auch noch nicht. (Mich würde es auch nicht wundern, wenn es den ganzen Winter kein warmes Wasser gäbe. Heizungen gibt es ja auch nicht.) Immerhin bekommen wir endlich eine Putzfrau!

Dienstag, 8. September 2009

Shimla










Letzten Sonntag sollte dann mein erster Ausflug ins Himalaya anstehen. Um 3Uhr45 in der Früh hat also der Wecker geschellt, um 4Uhr15 sollte der Taxifahrer vor der Tür stehen. Dem war aber nicht so. Lektion 1: Man kann sich in diesem Land auf nichts verlassen. Als der Taxifahrer um 4Uhr45 immernoch nicht dar war, hat mein persönlicher Reiseleiter Patrick ihn dann mal angerufen. Der Taxifahrer wusste trotz Erinnerungsanruf einen Tag vorher nichts mehr von seiner Tour, weigerte sich zwischenzeitlich in Englisch zu kommunizieren, hatte dann die Adresse vergessen und zu guter Letzt kein Benzin mehr. Als Patrick allerdings den Namen seiner Firma erwähnte, schien der Herr plötzlich auf Trab zu kommen. Um 5Uhr15 hat er uns dann endlich eingesammelt. Der nostalgische Zug aus der britischen Kolonialzeit, der uns vom 20km entfernten Kalka durchs Gebirge nach Shimla fahren sollte, war fuer 5Uhr30 angesetzt. Wir haben uns einfach mal darauf verlassen, dass auch der Zug nicht pünktlich abfährt, aber dem war leider nicht so. Um 5Uhr34 standen wir etwas verloren am Bahnhof in Kalka und konnten dem Zug nur noch hinterherwinken... Immerhin konnten wir die Tickets wieder zurückgeben und wenigstens einen Teil des Geldes zurückbekommen. Nach langem Hin und Her auf den dreckigen und heruntergekommenen Straßen Kalkas (Halleluja!) hat der Taxifahrer tatsächlich seinen Fehler eingesehen und uns 300 Rupien Preisnachlass gegeben. Fix in ein Touristentaxi gewechselt, ging es dann per Auto die Pisten durch das Gebirge bis hin zur Sommerresidenz der britischen Regierung. Die Pisten verfuegen nur streckenweise über Leitplanken, die Abhänge sind schwindelerregend, was aber nicht bedeutet, den rasanten und waghalsigen Fahrstil zu ändern! Ich betone nochmals: Gurte zum Anschnallen gibt es auf der Rückbank nicht. Glücklicherweise war ich so müde, dass ich eingeschlafen bin und somit die schlimmsten Manöver nicht mitbekommen habe. Für die Strecke von 90km haben wir trotz rasantem Fahrstil drei Stunden gebraucht.
In Shimla angekommen, überrascht das milde Klima. Knapp über 20°C - sehr angenehm. Mit dem Lift ging es dann die Etappen der Stadt hinauf zur Fußgängerzone und diese ist very British. Die Stadt kann ihre Vergangenheit nicht leugnen. Nach einem ebenfalls britischen Frühstück, wurde dann natürlich erstmal die Aussichtsplattform und die Christchurch besucht (auch hier muss man sich die Schuhe ausziehen) und schließlich ein Stück des Himalayas erklommen - hinauf bis zum Monkey Temple. Der Weg ist steil und am Wegrand sitzen Affen, deren kriminelle Fähigkeiten man nicht unterschätzen sollte! Als mir der dritte entgegenkommende Wanderer sagte, ich solle besser mal meine Brille absetzen, hab ich diesen Rat schließlich auch befolgt. Mit einem Stock zum Schutz gegen die Affen bewaffnet, haben wir es dann doch bis oben geschafft.
Interessanter als die Touristenattraktionen selbst waren allerdings wir drei "Exoten". Ich weiß nicht, auf wievielen indischen Familienfotos ich nun verschwitzt, erschöpft und ergeben in die Kamera lächle. Wir hätten Geld dafür nehmen sollen, denn der Satz "Please, just one photo with you" war der meist gehörte an diesem Tag. Lektion 2: Wir sehen aus wie Außerirdische. Solange wir höflich gebeten wurden, haben wir natürlich gerne Model gestanden. Andere Inder der Generation Handykamera halten das aber nicht immer für nötig und so ertappt man den Ein oder Anderen, der im Vorbeigehen dilettantisch ein Foto zu knipsen versucht. :D Ansonsten sind Inder und ganz besonders ihre Art sich auszudrücken äußerst höflich, was in meinen Ohren manchmal ein wenig altbacken klingt. "Madam, what's your good name?" :D Viele Inder sprechen Einen auch einfach an, weil sie Einem mitteilen wollen, dass sie schonmal in Deutschland waren und leider fällt auch immer schnell der Name Hitler.
Nachdem wir einen Yoga-Guru getroffen haben, der es sich nicht nehmen ließ mit uns einen Tee trinken zu gehen, haben wir uns dann auf den Weg gemacht, den Berg zum Bahnhof wieder herabzusteigen. Mit dem nostalgischen Zug, erste Klasse versteht sich, ging es dann langsam tuckernd (20km/h) durch die Wälder und Tunnel des Gebirges zurück. Lektion 3: In Indien berechnet man Distanzen nicht in km, sondern in Stunden und alles unter 15 Stunden Fahrt versteht der Inder als "nah". Wenn man sich überlegt, dass man in der Zeit, die wir im Zug verbracht haben (für 90km) fast wieder bis nach Hause fliegen kann... Beim Einsteigen in den Zug gibt man seinen Menüwunsch an (Veg or Non-Veg) und zwei Stunden später, etwa auf der Hälfte der Strecke, verwandelt sich der Zug in ein fahrendes Restaurant. Inzwischen mag ich das indische Essen ganz gerne (und bestelle mir nun jeden Tag im Büro für 30 Rupien, d.h. umgerechnet 50Cent, ein komplettes indisches Menü).
Außer Patrick, Katya und mir waren noch eine Menge anderer AIESECer an diesem Tag in Shimla und auch in unserem Zug. Man trifft sich einfach überall. Mitbringsel aus Shimla: Sonnenbrand und Muskelkater. Hinzu kommen Moskitostiche, aber alle anderen gesundheitlichen Probleme sind mir bis jetzt erspart geblieben, auch wenn ich hin und wieder versehentlich die Zähne mit dem Leitungswasser hier putze.
Nach dem doch sehr anstrengenden Trip begann meine Woche äußerst müde. Da AIESECer jedoch an den Wochenenden zu reisen pflegen, bleibt für das Feiern nur die Woche und so fand ich mich dann gestern in dem schönsten und saubersten Traineehouse der Stadt unter geschätzt 20 verschiedenen Nationen wieder. (Ich werde dort nächsten Monat hinziehen. Bis dahin halten mich meine Mitbewohner hier trotz hygienischer Missstände bei guter Laune. Weckservice mit Barry White inklusive.) Als einzige Deutsche, die sich Montagabend auf eine Party begeben hat, habe ich mir immerhin den respektvollen Titel "Coolest German in India" verdient. Diese Woche steht erstmal das "pulsierende Leben" Chandigarhs auf dem Programm. So let's get wasted. ;) Morgen geht es in einen indischen Club (ich bin ja mal gespannt...), Donnerstag ins Kino, Samstag Shoppen in einer der riesigen Malls und Sonntag Sightseeing. Ich werde berichten.
Achja, die zweite AIESEC-Praktikantin, die in meinem Unternehmen arbeitet, ist gestern von ihrem Trip durch Kashmir wiedergekommen. Wir konnten heute morgen gemeinsam zur Arbeit fahren. Sie ist aus Kolumbien und sie hat ihr erstes AIESEC-Praktikum in Bochum, genauer Castrop Rauxel, gemacht. Sie kennt das Haus, in dem ich in Bochum gewohnt habe und ich weiß, wo sie gewohnt hat: Direkt neben der Uni. So klein ist die Welt...
Hier findet ihr die Fotogalerie von Patrick.

Nachtrag: Bilder



Anbei nochmal ein paar Bilder, die den Ausblick vom vorderen und hinteren Balkon zeigen. Und natürlich endlich mal ein Bild von einer Kuh. Die gibt es hier wirklich an jeder Straßenecke und wenn man Pech hat, legt sich die Ein oder Andere mal gemütlich vor den Hauseingang und versperrt den Weg.

Freitag, 4. September 2009

Unternehmenskultur

Guess what? My company got a Best Performance Award today. :) Jeder durfte die Trophäe mal anfassen und die Zeitungsartikel der Indischen Times wurden feierlich an die Wand gepinnt. Wir haben alle zusammengeschmissen und einen großen Schokokuchen gekauft und ihn alle gemeinsam gegessen. Ich mag es dort wirklich sehr, weil die Atmosphäre einfach locker und super ist. Alle nennen sich beim Vornamen (geht auch nicht anders, denn jeder Zweite heißt Mr. Singh), trinken Tee zusammen, halten zwischendrin mal ein kleines Schwätzchen oder der Chef lässt einen per MSN vom Stockwerk drüber grüßen. An der Pinnwand direkt neben dem Eingang hängt ein wöchentlich wechselnder Witz und ein Leitspruch, der einen durch die Woche begleiten soll. Der Witz, der derzeit dort hängt, ist auch in Deutschland sehr beliebt. Kennt ihr den von den drei Ingenieuren im Zug, die nur ein Ticket kaufen? :D
Nachdem ich gestern Abend noch meine Mitbewohnerin beneidet habe, weil sie auf eine indische Hochzeit eingeladen wurde, wurde ich heute selbst eingeladen! Meine Kollegin, die mich einarbeitet, Bhavya, so ist ihr Name - und wenn ihr jetzt schon denkt, dass der Name schwierig sei, stellt euch vor, wie es ist, sich 30 aufeinmal merken zu müssen - heiratet im Oktober und zwar traditionell indisch. Ansonsten ist sie sehr westlich eingestellt. Sie ist zwar kaum älter als ich, aber sie hat sich ihren zukünftigen Gatten selber ausgesucht. Ich denke, die Hochzeit wird eines der Highlights meines Aufenthaltes hier werden. Ich hoffe, die Hochzeit ist die nötige Rechtfertigung dafür, dass ich mir hier für echt viel Geld einen Sari nähen lassen werde. :)
Pünktlich zu Beginn des Wochenendes herrscht hier Aufbruchstimmung. Einer meiner Mitbewohner fliegt für ein paar Tage auf Firmenkosten nach Nepal (er wird demnächst auch nach Singapur und Usbekistan fliegen und kann es auch nicht lassen, uns das jeden Tag auf die Nase zu binden), die anderen fahren entweder nach Dharamshala (Stichwort: Dalai Lama) oder nach Manali. Ich freu mich auch schon auf meine kleine erste Reise hier nach Shimla. :)

Donnerstag, 3. September 2009

Everyday life

Meine ersten beiden Arbeitstage sind nun um. Morgens ab 7 beginnt hier im Traineehouse langsam das Leben. Badezimmerstau gibt es nicht, aber Stau am Bügeleisen. Alle müssen noch mal eben schnell über Hemd oder Bluse drüberbügeln bevor wir dann ganz schick aus dem Haus gehen. Nach und nach machen sich dann alle auf den Weg. Ich muss erst ein paar Minuten aus diesem Wohngebiet rauslaufen, vorbei an einem Kinderheim, einem Tempel und einem Park. An der Hauptstraße angekommen, schnapp ich mir eine Fahrradrikscha und mache dem Fahrer - inzwischen in Hindi - klar, wo ich hin will. Man sollte sich gut festhalten. Ich bin heute fast auf die Straße gefallen. :) Die Gegend hier ist wirklich sehr reich. Ganz schicke Häuser mit ebenso schicken Autos davor, durchaus auch Mercedes oder BMW und überall Palmen am Straßenrand. Der Rikschafahrer schmeißt mich dann hoffentlich an der richtigen Straßenecke raus und ich gehe die letzten paar Meter zum Büro zu Fuß. Über den Preis verhandel ich gar nicht mehr, denn ich weiß ganz genau, dass die Strecke 20 Rupien kostet und die drücke ich ihm dann einfach in die Hand.
Im Büro hatte ich gestern erstmal eine Introduction Presentation im Konferenzraum über das Unternehmen, die Unternehmenskultur und die Hierarchieebenen. Nach dem Papierkram wurde ich jedem der 50 Mitarbeitern persönlich vorgestellt und sie wurden darum gebeten, mich in die "Unternehmensfamilie" aufzunehmen. Nachdem mein Computer für mich eingerichtet worden war, hatte ich nochmal ein sehr nettes Gespräch mit dem anderen Chef. Die Menschen dort sind wirklich sehr sehr nett und die Chefs scheinen ernsthaftes Interesse daran zu haben, dass es mir hier gut geht. Zwei Office Boys sind extra dafür zuständig, dass wir ständig mit Chai oder Kaffee (ich bevorzuge Chai) versorgt sind. Mittags sammeln sie von allen Angestellten die mitgebrachten Mahlzeiten ein und bereiten sie für alle zu. Die Behälter werden anschließend gespült wieder zurückgegeben. Nur wenige (darunter ich) bestellen sich was zum Essen. Heute war ich allerdings in der Kaffeebar nebenan und habe ein Chicken Tikka Sandwich gegessen. Dort ist man wieder komplett in der westlichen Welt. Flatscreens an den Wänden zeigten heute ein Interview mit Michael Schumacher und im Radio lief - ich konnte es fast nicht glauben - Sasha. Ein Stück Soest mitten in Indien! :)
Heute war ich das erste Mal einkaufen. Der Supermarkt ist sehr klein, aber es gibt erstaunlicherweise alles von wirklich schöner Bettwäsche (ich werde mir auf alle Fälle welche kaufen müssen) über kleinere Einrichtungsgegenstände bis hin zu Ariel-Waschmittel, Knorr-Tütensuppen, Rocher-Pralinen und allen gängigen Kosmetikartikeln wie sie auch in jedem deutschen Drogeriemarkt stehen. Das Einzige, was ich nicht finden konnte, waren Papiertaschentücher. Die gibt es hier nur in großen Kleenex-Spenderboxen, aber man kann sich gut mit Servietten behelfen. Wie in Amerika gibt es extra Angestellte, die einem die Einkäufe in Plastiktüten packen und einem die Tür aufhalten. Vollgepackt ging es dann mit der Rikscha wieder zurück und ich dachte zum ersten Mal, dass es hier wirklich schön ist und man es gut aushalten kann.
Gestern Abend hatten wir eine großes internationales Sit-in auf unserem Balkon mit Praktikanten aus der ganzen Welt. Gemeinsam haben wir hier indisches Bier probiert. Im Vergleich zu einem guten sauerländer Schützenfestbier ist das natürlich wenig attraktiv, aber es schmeckt ganz gut. Man bekommt es allerdings nur in 0,75-Liter-Flaschen, was ein wenig unpraktisch ist, wenn man zu den langsamen Trinkern gehört, denn das Bier wird schneller warm als man trinken kann. Alkohol ist hier für indische Verhältnisse teuer, aber im Vergleich zu Deutschland noch ein Schnäppchen (eine Flasche Bacardi kostet umgerechnet 4-6€). Artig sind wir aber dann um zwei ins Bett gegangen, um die Ahnen im Tempel gegenüber ruhen zu lassen. :) Heute hat meine Mitbewohnerin aus der Schweiz Nudeln mit Gemüse für uns gekocht und nun sitzen wir noch gemütlich zusammen und genießen das Leben. Den freien Samstag werde ich nutzen, um hier ein wenig zu putzen, denn der feine Staub setzt sich wirklich überall fest, was besonders dem Laptop nicht gut tut. Meine weißen Blusen werden nach den fünf Monaten auch definitv nicht mehr weiß sein... Eine Putzfrau einzustellen, wurde auch schon überlegt. Es ist auch eher eine Frage der Moral statt einer Frage des Geldes. Für jeden von uns wären es ein paar Cent...
Am Sonntag planen Katya (aus Russland), Patrick (aus Ulm) und ich einen Tagesausflug ins Himalaya nach Shimla. Patrick kümmert sich um alles, ich muss nur am Sonntag um 4Uhr in der Früh aufstehen. Von dem Ausflug werde ich natürlich berichten!

Nachtrag: Bilder





Nein, das ist nicht die Bruchbude, sondern mein wirklich nettes Traineehouse in Panchkula, Sektor 16. Biggest balcony ever! :) Ich fange an, es hier zu mögen. Acht nette Mitbewohner, von denen ihr Valentin und Natasha (beide aus Russland) auf den Bildern seht. Insgesamt wohnen hier fünf Nationen (Russland, Polen, Slowenien, Schweiz, Deutschland) friedlich auf drei Schlafzimmer, zwei Bäder, eine Küche und einem riesigen Balkon verteilt, zusammen. Hat ein bisschen was von Jugendherberge, aber es ist witzig hier. Allerdings sind nie alle gleichzeitig da, weil immer irgendwer auf Reisen ist, dafür kommen einfach so Trainees aus anderen Häusern abends vorbei und man macht sich einen schönen internationalen Abend und stellt fest, dass jeder zumindest in einer anderen Sprache seiner Mitbewohner hervorragend fluchen kann. :)