Dienstag, 8. September 2009

Shimla










Letzten Sonntag sollte dann mein erster Ausflug ins Himalaya anstehen. Um 3Uhr45 in der Früh hat also der Wecker geschellt, um 4Uhr15 sollte der Taxifahrer vor der Tür stehen. Dem war aber nicht so. Lektion 1: Man kann sich in diesem Land auf nichts verlassen. Als der Taxifahrer um 4Uhr45 immernoch nicht dar war, hat mein persönlicher Reiseleiter Patrick ihn dann mal angerufen. Der Taxifahrer wusste trotz Erinnerungsanruf einen Tag vorher nichts mehr von seiner Tour, weigerte sich zwischenzeitlich in Englisch zu kommunizieren, hatte dann die Adresse vergessen und zu guter Letzt kein Benzin mehr. Als Patrick allerdings den Namen seiner Firma erwähnte, schien der Herr plötzlich auf Trab zu kommen. Um 5Uhr15 hat er uns dann endlich eingesammelt. Der nostalgische Zug aus der britischen Kolonialzeit, der uns vom 20km entfernten Kalka durchs Gebirge nach Shimla fahren sollte, war fuer 5Uhr30 angesetzt. Wir haben uns einfach mal darauf verlassen, dass auch der Zug nicht pünktlich abfährt, aber dem war leider nicht so. Um 5Uhr34 standen wir etwas verloren am Bahnhof in Kalka und konnten dem Zug nur noch hinterherwinken... Immerhin konnten wir die Tickets wieder zurückgeben und wenigstens einen Teil des Geldes zurückbekommen. Nach langem Hin und Her auf den dreckigen und heruntergekommenen Straßen Kalkas (Halleluja!) hat der Taxifahrer tatsächlich seinen Fehler eingesehen und uns 300 Rupien Preisnachlass gegeben. Fix in ein Touristentaxi gewechselt, ging es dann per Auto die Pisten durch das Gebirge bis hin zur Sommerresidenz der britischen Regierung. Die Pisten verfuegen nur streckenweise über Leitplanken, die Abhänge sind schwindelerregend, was aber nicht bedeutet, den rasanten und waghalsigen Fahrstil zu ändern! Ich betone nochmals: Gurte zum Anschnallen gibt es auf der Rückbank nicht. Glücklicherweise war ich so müde, dass ich eingeschlafen bin und somit die schlimmsten Manöver nicht mitbekommen habe. Für die Strecke von 90km haben wir trotz rasantem Fahrstil drei Stunden gebraucht.
In Shimla angekommen, überrascht das milde Klima. Knapp über 20°C - sehr angenehm. Mit dem Lift ging es dann die Etappen der Stadt hinauf zur Fußgängerzone und diese ist very British. Die Stadt kann ihre Vergangenheit nicht leugnen. Nach einem ebenfalls britischen Frühstück, wurde dann natürlich erstmal die Aussichtsplattform und die Christchurch besucht (auch hier muss man sich die Schuhe ausziehen) und schließlich ein Stück des Himalayas erklommen - hinauf bis zum Monkey Temple. Der Weg ist steil und am Wegrand sitzen Affen, deren kriminelle Fähigkeiten man nicht unterschätzen sollte! Als mir der dritte entgegenkommende Wanderer sagte, ich solle besser mal meine Brille absetzen, hab ich diesen Rat schließlich auch befolgt. Mit einem Stock zum Schutz gegen die Affen bewaffnet, haben wir es dann doch bis oben geschafft.
Interessanter als die Touristenattraktionen selbst waren allerdings wir drei "Exoten". Ich weiß nicht, auf wievielen indischen Familienfotos ich nun verschwitzt, erschöpft und ergeben in die Kamera lächle. Wir hätten Geld dafür nehmen sollen, denn der Satz "Please, just one photo with you" war der meist gehörte an diesem Tag. Lektion 2: Wir sehen aus wie Außerirdische. Solange wir höflich gebeten wurden, haben wir natürlich gerne Model gestanden. Andere Inder der Generation Handykamera halten das aber nicht immer für nötig und so ertappt man den Ein oder Anderen, der im Vorbeigehen dilettantisch ein Foto zu knipsen versucht. :D Ansonsten sind Inder und ganz besonders ihre Art sich auszudrücken äußerst höflich, was in meinen Ohren manchmal ein wenig altbacken klingt. "Madam, what's your good name?" :D Viele Inder sprechen Einen auch einfach an, weil sie Einem mitteilen wollen, dass sie schonmal in Deutschland waren und leider fällt auch immer schnell der Name Hitler.
Nachdem wir einen Yoga-Guru getroffen haben, der es sich nicht nehmen ließ mit uns einen Tee trinken zu gehen, haben wir uns dann auf den Weg gemacht, den Berg zum Bahnhof wieder herabzusteigen. Mit dem nostalgischen Zug, erste Klasse versteht sich, ging es dann langsam tuckernd (20km/h) durch die Wälder und Tunnel des Gebirges zurück. Lektion 3: In Indien berechnet man Distanzen nicht in km, sondern in Stunden und alles unter 15 Stunden Fahrt versteht der Inder als "nah". Wenn man sich überlegt, dass man in der Zeit, die wir im Zug verbracht haben (für 90km) fast wieder bis nach Hause fliegen kann... Beim Einsteigen in den Zug gibt man seinen Menüwunsch an (Veg or Non-Veg) und zwei Stunden später, etwa auf der Hälfte der Strecke, verwandelt sich der Zug in ein fahrendes Restaurant. Inzwischen mag ich das indische Essen ganz gerne (und bestelle mir nun jeden Tag im Büro für 30 Rupien, d.h. umgerechnet 50Cent, ein komplettes indisches Menü).
Außer Patrick, Katya und mir waren noch eine Menge anderer AIESECer an diesem Tag in Shimla und auch in unserem Zug. Man trifft sich einfach überall. Mitbringsel aus Shimla: Sonnenbrand und Muskelkater. Hinzu kommen Moskitostiche, aber alle anderen gesundheitlichen Probleme sind mir bis jetzt erspart geblieben, auch wenn ich hin und wieder versehentlich die Zähne mit dem Leitungswasser hier putze.
Nach dem doch sehr anstrengenden Trip begann meine Woche äußerst müde. Da AIESECer jedoch an den Wochenenden zu reisen pflegen, bleibt für das Feiern nur die Woche und so fand ich mich dann gestern in dem schönsten und saubersten Traineehouse der Stadt unter geschätzt 20 verschiedenen Nationen wieder. (Ich werde dort nächsten Monat hinziehen. Bis dahin halten mich meine Mitbewohner hier trotz hygienischer Missstände bei guter Laune. Weckservice mit Barry White inklusive.) Als einzige Deutsche, die sich Montagabend auf eine Party begeben hat, habe ich mir immerhin den respektvollen Titel "Coolest German in India" verdient. Diese Woche steht erstmal das "pulsierende Leben" Chandigarhs auf dem Programm. So let's get wasted. ;) Morgen geht es in einen indischen Club (ich bin ja mal gespannt...), Donnerstag ins Kino, Samstag Shoppen in einer der riesigen Malls und Sonntag Sightseeing. Ich werde berichten.
Achja, die zweite AIESEC-Praktikantin, die in meinem Unternehmen arbeitet, ist gestern von ihrem Trip durch Kashmir wiedergekommen. Wir konnten heute morgen gemeinsam zur Arbeit fahren. Sie ist aus Kolumbien und sie hat ihr erstes AIESEC-Praktikum in Bochum, genauer Castrop Rauxel, gemacht. Sie kennt das Haus, in dem ich in Bochum gewohnt habe und ich weiß, wo sie gewohnt hat: Direkt neben der Uni. So klein ist die Welt...
Hier findet ihr die Fotogalerie von Patrick.

3 Kommentare:

  1. Hey,
    scheint ja ein toller Ausflug gewesen zu sein! Waren die Affen wirklich so krass? Kann man ja kaum glauben.

    Die Praktikantin heisst Katie, oder?

    Schöne Grüße nach Indien aus Dänemark

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  2. Hey, ja, die heißt Kathy. Sie konnte sich leider nicht mehr an so viele Namen von @ Bochum erinnern...

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