Freitag, 13. November 2009

Halbzeit

Wahnsinn! Heute bin ich 11 Wochen in Indien. Die Hälfte meines Aufenthaltes hier ist somit um. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht!
Moment ist die Arbeit ziemlich stressig, aber ab nächster Woche dürfte es wieder ruhiger werden. Bald kündigt sich auch schon der erste Besuch aus Istanbul an. Über Weihnachten werden Kathy Colombia (übrigens die Nachbarin von Shakira, ja genau, DER Shakira) und ich nach Thailand fliegen (Tickets für Delhi-Bangkok am 23.12. und Bangkok-Delhi am 03.01. sind gebucht, weiter geht es mit Bus und Fähre ins Paradies - Christmas on the beach!), im Januar kommt schließlich der elterliche Besuch aus Deutschland und dann sind es nur noch 2 Wochen bis es auch für mich Abschied nehmen heißt. Ich mag gar nicht dran denken. Ich genieße hier das Leben im Traineehouse so! (Wir sind übrigens wieder 9 Leute. 2 Mädels aus Polen, ein Mädel aus Italien und ein Mädel aus den USA sind eingezogen). Außerdem hab ich bis dahin noch so viel vor! Delhi, Dharamsala, McLeod Ganj, Varanasi und andere Ziele müssen noch bereist werden, ich möchte mir gerne einen Saree schneidern lassen und und und...
Achja, Mission Thailand ist bereits angelaufen. Hier eine Illustration unseres Versuchs, uns selbst zu motivieren, an unserer Bikinifigur zu arbeiten... Bei 8 Ladies im Traineehouse ist es ein echt witziges Ereignis, wenn alle abends in Sportklamotten zu YouTube-Videos vor ihren Laptops rumhüpfen...

Montag, 9. November 2009

Einmal vegetarische Nudeln, bitte.

Der Delivery Service unseres Vertrauens (Paneer Tikka Butter Masala mit Butter Naan - lecker!) hat mich schwer enttäuscht. Meine vegetarischen Nudeln enthielten eine gut durchgeröstete Kakerlake. (Inzwischen bin ich mit sämtlichen Tieren von Riesenspinnen im Türrahmen, über Lizards im Bett, Ratten in meiner Müslipackung im Küchenschrank bis hin zu Riesenameisen im Pullover per Du...) Nun hoffe ich, dass meine neu erworbene indische Zahnpasta wenigstens hält, was sie verspricht - nämlich 100% vegetarischen Inhalt. Kein Scherz - das steht da wirklich drauf!

Dienstag, 3. November 2009

Cricket Match India - Australia


Das Großereignis in Chandigarh: Cricket ist die Volkssportart und hat für Inder den gleichen Status wie Fußball für Deutsche. Ein Länderspiel gegen den Weltmeister Australien im heimischen Stadion kommt ungefähr alle zwei Jahre vor und ist DAS Ereignis. Leider waren alle Tickets ausverkauft. Doch dann...
6.20pm: Mein Chef schreibt Kathy und mir, dass alle Karten ausverkauft sind.
6.21pm: Enttäuschung unsererseits...
6.22pm: "Okay, we could still have a try to get in. Leave the office at sharp 6.30. I'll pick u guys up from home at 6.45."
6.28pm: Kathy und ich feuern unseren personal rikshaw driver an, schneller zu fahren.
6.45pm: Wir sitzen im Auto zum Stadion.
7.05pm (zum Police Officer): "Sir, we've two guests from Australia. They came all the way from Australia to see the match. Unfortunately, we don't have any tickets..."
7.15pm: Nach mehrmaliger Wiederholung der Australien-Story untermalt von meinem todtraurigen Gesichtsausdruck: Hahaha, wir saßen auf der VIP-Tribüne, wo eigentlich der Chief Minister sitzt...
7.15pm onwards: Tryin to look Australian...
O-Ton eines kleinen Mädchens auf der Tribüne: "I guess, ur country is goin to win..."
22.00pm: Es zeichnete sich langsam aber sicher ein Sieg der Australier ab, was mich dazu veranlasste, zu meiner eigenen Sicherheit möglichst unauffällig aus dem Stadion zu schleichen...

Sonntag, 1. November 2009

An Indian wedding Reloaded


Die letzten zwei Tage war ich wieder damit beschäftigt, eine Hochzeit zu feiern. Diesmal kannte ich weder Braut noch Bräutigam. Der Cousin meiner Chefs hat geheiratet und Kathy und ich und ein paar andere Praktikanten waren eingeladen. Die Party, eigentlich Ladies' Night genannt, am Freitagabend wurde von Braut und Bräutigam gemeinsam veranstaltet und es war einfach nur genial! Location, Essen, Musik, Leute - alles super! Die eigentliche Hochzeit am Samstagabend haben wir dann wie die meisten anderen der 1000 (!) Gäste vor der eigentlichen Zeremonie um ca. 3 Uhr nachts verlassen. So langsam wurde es auch ein wenig kalt. Während wir tagsüber (im November!) immer noch in Sommerkleidung zur Arbeit gehen (traumhafte und angenehme 28-30°C), sinken die Temperaturen nachts auf ca. 12°C. In offenen Schuhen und einem kurzärmeligem Wedding Suit kann es da schon etwas frisch werden. Dagegen hilft nur Tanzen - sehr zur Freude der engagierten Kamerateams, die sich direkt um die Bühne gruppierten. Schon etwas merkwürdig, sich selbst bei dem Versuch möglichst indisch zu tanzen, auf einer Großleinwand beobachten zu können...

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Anekdote aus der Arbeitswelt

Dass die indische Unternehmenskultur und the Indian Way of Business so viel anders sind als in Deutschland ist mir bisher nicht so aufgefallen. Liegt vielleicht auch daran, dass meine Chefs von der weltgewandten Sorte sind, viel im Ausland reisen und viele ausländische Kunden haben. Viele andere Praktikanten berichten immer wieder von der lustigen Art ihrer indischen Kollegen, Probleme zu beseitigen. Heute musste ich erstmals ungläubig den Kopf schütteln. Es ging darum, für das Audit zu belegen, dass die Gehälter den verschiedenen Qualifikationen und Berufserfahrungen entsprechend gestaffelt sind. Klingt logisch. Hat bisher aber niemanden interessiert. So musste ich feststellen, dass ein Mitarbeiter, der seiner Qualifikation und seiner Berufserfahrung entsprechend eigentlich eine niedrige Gehaltsstufe hätte haben müssen, sich allerdings zwei Ebenen darüber befand! D.h. er verdient mehr als das Doppelte seiner wesentlich besser qualifizierten Vorgesetzten. Eine Ungereimtheit, die besser nicht im Bericht erscheinen sollte. Also fix dem Management das Problem geschildert, doch dort erntete ich nur ein Schulterzucken und folgende geniale Antwort: "Dann beförder ihn doch mal eben." Der Herr wird sich freuen mal eben so zwei Hierarchiestufen überspringen und Chef seiner bisherigen Chefs sein zu dürfen. An meinem ungläubigen und fast schon amüsiertem Gesichtsausdruck musste mein Chef dann allerdings gemerkt haben, dass diese Antwort wohl sehr indisch war.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Visa issues

Nach tagelangem Zittern und widersprüchlichen Informationen hatten wir uns gestern schließlich entschlossen, nach Delhi zum Ministry of Home Affairs (entspricht dem Innenministerium) zu fahren und unsere Visaprobleme zu klären. Unsere Sachen für Delhi samt sämtlicher Dokumente waren bereits gepackt, die Stimmung bedrückend, unsere Nerven lagen blank. Viele, viele Stoßgebete wurden zum Himmel geschickt, dass unsere Visaänderung akzeptiert wird und wir nicht zum 31.10. - sprich innerhalb von 3-4 Tagen- Indien verlassen müssen. Die Stimmung war gerade am Tiefpunkt angelangt, bei meinen Mitbewohnern und mir flossen schon Tränen der Verzweifelung, als ich eine E-Mail mit dem Betreff "VISA problems - Issue sorted" erhielt. Im selben Augenblick erreichten mich auch eine SMS und ein Anruf mit selbigem Inhalt: Das MHA hat die Business Visa-Bestimmungen extra für AIESEC Praktikanten gelockert. Nachdem wir diese Bestätigung auch nochmal von Praktikanten aus Delhi erhalten hatten, lagen wir uns alle in den Armen. Mama, du warst bei Skype live dabei. :) Für mich wäre es ein enormer Aufwand gewesen, noch am Samstag nach Deutschland zu fliegen, dort zu bleiben bis mein neuer Visumsantrag bearbeitet ist, um dann wieder zurückzufliegen. Immerhin hätte mir diese Option aber offen gestanden. Für die meisten anderen Praktikanten wäre aus Kostengründen (ein Flug von Indien nach Mexiko und zurück kostet das Fünffache von meinem Flug) der Traum von Indien vorbei gewesen. Danke an dieser Stelle an meine Eltern, dass sie mir im Notfall ermöglicht hätten, wieder so schnell wie möglich nach Indien zurückzukehren. Danke auch für das Sponsoring der sich anschließenden spontanen Party. :)

Donnerstag, 22. Oktober 2009

AIESEC-Praktikant, der (maskulin, Singular)









Der AIESEC-Praktikant an sich ist dem Feiern nicht grundsätzlich abgeneigt. Neben seiner stets gewissenhaft ausgeführten Arbeit und dem Ausbau seiner interkulturellen Kompetenzen durch häufiges Reisen, stellen besonders Mottoparties auf der Dachterrasse der sagenumwobenen Location in Sektor 16 eine gern gesehene Abwechselung dar.