Dass die indische Unternehmenskultur und the Indian Way of Business so viel anders sind als in Deutschland ist mir bisher nicht so aufgefallen. Liegt vielleicht auch daran, dass meine Chefs von der weltgewandten Sorte sind, viel im Ausland reisen und viele ausländische Kunden haben. Viele andere Praktikanten berichten immer wieder von der lustigen Art ihrer indischen Kollegen, Probleme zu beseitigen. Heute musste ich erstmals ungläubig den Kopf schütteln. Es ging darum, für das Audit zu belegen, dass die Gehälter den verschiedenen Qualifikationen und Berufserfahrungen entsprechend gestaffelt sind. Klingt logisch. Hat bisher aber niemanden interessiert. So musste ich feststellen, dass ein Mitarbeiter, der seiner Qualifikation und seiner Berufserfahrung entsprechend eigentlich eine niedrige Gehaltsstufe hätte haben müssen, sich allerdings zwei Ebenen darüber befand! D.h. er verdient mehr als das Doppelte seiner wesentlich besser qualifizierten Vorgesetzten. Eine Ungereimtheit, die besser nicht im Bericht erscheinen sollte. Also fix dem Management das Problem geschildert, doch dort erntete ich nur ein Schulterzucken und folgende geniale Antwort: "Dann beförder ihn doch mal eben." Der Herr wird sich freuen mal eben so zwei Hierarchiestufen überspringen und Chef seiner bisherigen Chefs sein zu dürfen. An meinem ungläubigen und fast schon amüsiertem Gesichtsausdruck musste mein Chef dann allerdings gemerkt haben, dass diese Antwort wohl sehr indisch war.
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