Samstag, 10. Oktober 2009

An Indian wedding











Das absolute Highlight meines bisherigen Aufenthaltes in Indien war eindeutig Bhavyas Hochzeit. Angefangen mit der kostspieligen Einladung, bestehend aus einer verzierten Box indischer Süßigkeiten, begann für mich die wohl bisher intensivste Konfrontation mit der indischen Kultur. Am Mittwochabend fand die sogenannte Ladies' Night statt. Während die Braut etwas Abseits sitzt und ihre Arme und Beine komplett mit Henna verziert werden, sind die engsten weiblichen Freunde und Familienangehörigen dazu eingeladen, sich durch das Buffet zu essen und vor allen Dingen zu tanzen! Wenn Inder und ganz speziell Inderinnen eines können, dann ist das tanzen! Das wird ihnen in die Wiege gelegt. Ganz so streng hat es Bhavyas Familie mit der Ladies' Night allerdings nicht genommen, denn einige männliche Familienmitglieder waren durchaus anwesend. Der Bräutigam und dessen Familie waren jedoch traditionsgemäß nicht eingeladen.
Bhavyas Familie war so entzückt von Kathy und meiner indischen Aufmachung, so dass uns die große Ehre zuteil wurde, am nächsten Morgen zur Zeremonie im engsten Familienkreis erscheinen zu dürfen. (Thx Boss for approving my spontaneous half day leave.) Nur höchstens 20 Anwesende sitzen dabei rund um ein Lager aus Kissen und Matratzen. Die Braut, ihre Eltern und Tante und Onkel, sowie der Priester nehmen in der Mitte Platz und es folgen verschiedene Rituale. Das Hauptritual besteht darin, dass die Braut die Augen schließt und sie erst wieder aufmachen darf, wenn ihre Tante und ihr Onkel ihre beiden Arme komplett mit Armreifen behangen haben. Diese muss sie nun so lange tragen, wie ihre zukünftige Schwiegermutter das möchte. (Immerhin erkenne ich nun frisch verheiratete Frauen auf der Straße sofort.) Anschließend knüpfen alle weiblichen Anwesenden einen Knoten in ein rotes Fußbändchen der Braut und behängen ihre Arme zusätzlich mit goldenen langen Ketten. Auch wir waren dazu eingeladen, an diesem Ritual teilzunehmen.
Donnerstagabend folgte schließlich der offizielle Teil der Hochzeit. Rund 400 geladene Gäste gaben sich die Ehre. Die Location war einfach traumhaft schön. Gefeiert wurde draußen unter Palmen, auf einer riesigen Rasenfläche, überall Tische, Sofas mitten auf dem Rasen, mehrere Buffets und Bars, Pavillions aus Stoff, ein Wasserfall im Hintergrund, ein roter Teppich und eine Bühne mit zwei Sesseln für das Brautpaar. Die Ankunft des Bräutigams (im Punjabi-Suit) erfolgt traditionsgemäß auf einem weißen Pferd. Danach heißt es für den Bräutigam warten auf seine zukünftige Frau. Etwas verloren saß der Arme dann auf der Bühne. Das Gerücht, die Braut sei eingetroffen, verbreitete sich allerdings schnell und unglaublicherweise hatten wir die Möglichkeit, Bhavya vor dem Hochzeitstrubel inoffiziell in ihrer Garderobe zu treffen, Fotos zu machen und ihr schonmal alles Gute zu wünschen. Sie war echt unglaublich schön, wenn auch nahezu bewegungsunfähig durch all den Schmuck. Ein weißes Hochzeitskleid ist dagegen echt langweilig! Nachdem die Braut über den roten Teppich zu ihrem Bräutigam geführt wurde, tauschten diese zur Begrüßung Blumenketten aus und mussten eine stundenlange Fotosession über sich ergehen lassen. Die beiden trotzdem lachen zu sehen, hat mich wirklich glücklich gemacht, denn eine arranged marriage sieht im Vergleich zu dieser real marriage anders aus und es fließen im erstgenannten Fall nicht selten Tränen bei der Braut. Obwohl die eigentliche Vermählung noch nicht stattgefunden hat, verlassen die meisten Gäste nach dem Essen und dem Händeschütteln die Hochzeit wieder. Nur der engste Familienkreis (zu dem wir an diesem Abend dazugehören durften) bleibt. Inzwischen war es recht kalt geworden (der Herbst macht sich zumindest nachts bemerkbar...), dennoch hieß es warten. Die eigentliche Zeremonie fing um 2 Uhr nachts an. In einem kleinen Pavillion nehmen Braut und Bräutigam sowie die Eltern der Braut und die beiden freaky Priester (dass so ausgeflippt aussehende Menschen das wohl konservativste Amt innehaben, erscheint mir paradox...) Platz. Viele kleine Rituale folgen, das Brautpaar gibt sich einander sieben Versprechen und bestätigt diese durch sieben Umrundungen eines Feuers in der Mitte des Pavillions. Danach wurde erstmal gratuliert bevor dann schließlich das letzte und emotionalste Ritual beginnen konnte. "Der Auszug der Braut" besteht darin, dass der Bräutigam seine frisch angetraute Frau zu dem Hochzeitsauto führt, gefolgt von der ganzen Familie. Untermalt wird das Ganze von melancholischer Trommel- und Trompetenmusik. Die Braut überschüttet sich selbst mit kleinen Süßigkeiten, welche die Angehörigen später essen werden. Offiziell wird die Braut nun der Familie des Bräutigams übergeben. Es heißt Abschied nehmen von der eigenen Familie - ein Zurückkehren in das Elternhaus ist nicht mehr möglich. Von nun an hat die Braut mit ihrem Ehemann und dessen Familie in einem Haus zu leben. Ihre privaten Sachen, wie z.B. Kleidung muss sie zurücklassen. Eine indische Hochzeit verändert das Leben der Braut doch um einiges mehr als westliche Hochzeiten. Und ja, es sind viele Tränen geflossen. Ein wirklich emotionaler Moment um 5 Uhr morgens. Bhavya & Ankur - I wish you all the best!

2 Kommentare:

  1. Du siehst richtig toll aus mit deinem indischen Outfit!! Hört sich echt nach nem richtig tollen Abenteuer an! :-)

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  2. Ein weißes deutsche Hochzeitskleid sieht aber besser aus ;-D

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