Montag, 31. August 2009

Der Kulturschock geht weiter

Der Abschied von Familie Mittal war sehr herzlich: Die Mama hat mich umarmt und der Vater hat mir gesagt, dass ihr Haus nun mein zweites Zuhause sei und ich jederzeit wiederkommen könne. Lavish war aber, glaube ich, sehr froh, dass er nicht mehr den Entertainer spielen muss. Die Fahrer der Familie haben mich dann nach Manimajra, einem Ortsteil vor Chandigarh gefahren und bei dem AIESEC-Hausverwalter abgesetzt. Die Nachbarschaft ist ganz nett und von daher war ich guter Dinge. Der Hausverwalter, Baldeep, war für ein Jahr als Praktikant bei der Deutschen Post in Deutschland und sein Haus ist irgendwie ein inoffizieller Treffpunkt fuer alle Trainees hier. Hab gestern viele neue Praktikanten aus der ganzen Welt getroffen. Bostian aus Slowenien muss mit mir im selben Flieger gesessen haben, aber wir konnten uns nicht dran erinnern, den jeweils anderen gesehen zu haben. Wir wurden schließlich auf die Traineehäuser aufgeteilt. Mir wurde das Ganze so erklärt: Direkt gegenüber (das Haus sieht von außen gut aus), mit drei anderen Mädels, Küche, Dusche, W-Lan. Da hab ich natuerlich gleich zugesagt und bin losgestiefelt. Das, was sich mir dann aber bot, war äußerst ernüchternd. Die Vormieter haben wohl eine riesen Abschiedsparty gefeiert und überhaupt nichts aufgeräumt! Die Küche ist demnach nicht zu betreten. Es gibt zwei Zimmer, in dem ersten schlafen meine Mitbewohnerin aus Osteuropa (ich glaub, es war die Ukraine) und ich und in dem zweiten Zimmer schlafen ebenfalls zwei Mädels, eines aus Brasilien und eines aus Neuseeland. Das "Bad" hat seinen Namen nicht verdient. Die Toilette ist okay, aber es gibt keine richtige Dusche. Nur zwei Wasserhähne auf Hüfthöhe und ein kleiner Kanister damit auch man auch von Kopf bis Hüfte nass wird. Allerdings funktioniert nur der mit dem Kaltwasser, was jetzt bei den Temperaturen momentan noch nicht schlimm ist. Ich weiß allerdings nicht, wie ich hier fünf Monate und noch dazu im Winter aushalten soll. Für die ersten zwei, drei Tage zieh ich das hier durch und dann zieh ich um in eines der besseren Traineehäuser. (Hab gerade in diesem Moment einen Anruf bekommen von einem deutschen Trainee, der meinen Hilferuf erhört hat und mir sagte, dass es ein freies Bett bei sich im Traineehaus gibt. Mal sehen, was sich ergibt.) Mache mir gleich mal eine Liste mit allen Missständen (ganz wichtig: Meine Matratze - ich werde euch Details ersparen...) und werde rüber zum Hausverwalter gehen. Immerhin haben wir W-Lan und Ventilatoren. Allerdings gibt es nur einen Schlüssel für uns vier Mädels zusammen und wir müssen ihn auf der Terrasse verstecken. Das ist mir nicht ganz so sicher, daher werde ich all meine Wertsachen mit mir rumschleppen müssen. Außerdem geht es hier echt tierisch zu: Heute morgen sind wir alle davon wach geworden, dass wilde Affen auf der Terrasse unsere Gläser zerschmissen haben. Hauptsache, die Affen finden nicht unser Schlüsselversteck...
Ich bin von mir selbst überrascht, dass ich noch nicht wieder im Flieger zurück sitze, weil eigentlich viele Situationen echt nur zum Heulen sind. Heute wird wieder ein echt harter Tag. Muss gleich mal bei der Company vorbeischauen und auch dort ein bisschen verhandeln, was das Praktikum betrifft. Ich hatte mich drauf eingestellt, dass ich hier extrem proaktiv sein muss, aber das ist auf Dauer ganz schön anstrengend!

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